Für Unternehmer: Verfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen
Die Finanzverwaltung fordert für die Digitalisierung und Aufbewahrung von Unterlagen in elektronischer Form eine Verfahrensdokumentation, insbesondere für:
geordnete und sichere Belegablage,
Umwandlung von Papierdokumenten in elektronische Dokumente,
Prozesse beim mobilen Scannen (Smartphone, Cloud).
Aufbau und Inhalte einer Verfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen
Die Verfahrensdokumentation beschreibt den organisatorisch und technisch gewollten Prozess. Sie sollte zumindest folgende Strukturelemente enthalten:
Allgemeine Beschreibung
Zielsetzung des ersetzenden Scannens (z. B. vollständige Ersetzung der Papierbelege durch digitale Abbilder)
Anwendungsbereich (welche Belegarten, welche Organisationseinheiten, ggf. mobiler Scan-Einsatz)
Einordnung in das Gesamt-Belegwesen (Posteingang, Belegablage, Buchführung)
Darstellung der eingesetzten Hard- und Software
Beschreibung der Scanner, Multifunktionsgeräte, Smartphones (bei mobilem Scannen) und sonstiger Hardware
Beschreibung der verwendeten Softwarelösungen:
Scan-Software,
DMS-/Archivsystem,
Buchhaltungs-/ERP-System,
ggf. Cloud-Lösungen für mobilen Scan
Verweise auf Herstellerangaben, Systemdokumentationen und Testate der eingesetzten Systeme
Anwender- und Prozessbeschreibung (Verfahrensschritte) Die Verfahrensdokumentation sollte die einzelnen Schritte des Digitalisierungsprozesses konkret darstellen, u. a.:
Posteingang und Vorsortierung
Annahme der eingehenden Dokumente (inkl. vom Mandanten übergebener Bescheide)
Vorsortierung nach:
digitalen Belegen (bereits elektronisch),
papierhaften zu scannenden Belegen
Kategorisierung der Papierbelege
Belege ohne Belegfunktion, die nach Digitalisierung vernichtet werden können
Belege mit Belegfunktion, bei denen das Original weiterhin aufzubewahren ist
Digitalisierung (Scanvorgang)
technische Parameter (Auflösung, Farbmodus, Dateiformat)
Festlegung, wer scannen darf (rollenbezogene Zuständigkeiten)
ggf. Beschreibung des mobilen Scannens (Smartphone-App, Upload in die Cloud)
Kontrollhandlungen
Vollständigkeitskontrolle (sind alle relevanten Seiten erfasst?)
Lesbarkeitskontrolle (Scanqualität)
Plausibilitätskontrolle (inhaltliche Prüfung im Rahmen der Belegbearbeitung)
Beschreibung des internen Kontrollsystems
Ablage und Archivierung
Struktur der digitalen Ablage (Ordnerstruktur, Indexierung, Verschlagwortung)
Zuordnung der digitalen Belege zu Buchungskreisen/Konten
Umgang mit eventuell verbleibenden Papierbelegen
Maßnahmen zur Sicherung der Ablage gegen Verlust, Änderung und Untergang
Weiterverarbeitung
Aufbereitung der Belege für die Buchung
ggf. Weitergabe bzw. Rücknahme der Belege bei externer Buchung oder externem Archivierungsdienstleister
Endgültige Archivierung
Festlegung der Archivfristen gemäß HGB/AO
technische und organisatorische Sicherungsmaßnahmen im Archivsystem
Vernichtung von Papierbelegen
Definition der Beleggruppen, bei denen ersetzendes Scannen angewendet wird
Zeitpunkt und Verfahren der Vernichtung
Dokumentation des Vernichtungsvorgangs
Hinweis auf gesetzliche Ausnahmen (insbesondere Jahresabschlüsse, Eröffnungsbilanzen, bestimmte Zollunterlagen), die nicht ersetzend gescannt und anschließend vernichtet werden dürfen
Löschung digitaler Archivbestände
Verfahren zur Löschung nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist
Sicherstellung der dokumentierten Löschung
Darstellung der Zuständigkeiten und des Kontrollsystems
klare Zuordnung:
wer scannt, wer kontrolliert, wer archiviert, wer vernichtet
Beschreibung des Kontrollsystems:
Art, Umfang und Turnus von Stichproben bei Digitalisierung, Archivierung und Vernichtung
Dokumentation der durchgeführten Kontrollen
Datenschutz und IT-Sicherheit
Beschreibung der getroffenen Datenschutzmaßnahmen:
Zugriffsrechte und Berechtigungskonzepte,
Protokollierung von Zugriffen und Änderungen
Maßnahmen zur Sicherung gegen unbefugten Zugriff, Verlust oder Veränderung der Daten (Backup-Konzept, Verschlüsselung, physische Sicherheit)
Technische Systemdokumentation
technische Beschreibung der Systeme, Schnittstellen und Datenflüsse zwischen Scan-, DMS-, Buchhaltungs- und ggf. Cloud-Systemen
Angaben zur Protokollierung (Logfiles, Änderungsprotokolle)
Betriebsdokumentation
Betriebs- und Störungsabläufe (z. B. Vorgehen bei Systemausfall, Notfallkonzept)
Beschreibung von Wartungs- und Pflegeprozessen der Systeme
Historisierung und Versionierung der Verfahrensdokumentation selbst (Änderungshistorie)
Besonderheiten: mobile Scannen und Mandantenunterlagen
Bei mobilem Scannen (z. B. Smartphone, Cloud) sind die zusätzlichen Prozessschritte vom Fotografieren des Belegs bis zur Ablage im Archivsystem detailliert zu beschreiben.
Nutzung von Muster-Verfahrensdokumentationen
Bundessteuerberaterkammer und Deutscher Steuerberaterverband stellen eine Muster-Verfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen bereit, in der die einzelnen Verfahrensschritte vom Posteingang über Prüfung und Digitalisierung bis zur Archivierung dargestellt werden und Anforderungen an Hard- und Software sowie Mitarbeiteranleitung beschrieben sind. Diese Muster kann als Grundlage verwendet und auf die konkreten Verhältnisse des Unternehmens angepasst werden.
Muster für die Verfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen:
Wir sind Ihnen bei der Umsetzung und Erstellung der Verfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen gerne behilflich.
Quellen: Haufe CoPilotTax; Deutscher Steuerberatungsverband, Bundessteuerberaterkammer
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